Roadtrip durch Westirland, Tag VI

31.12.2016: Brenda hatte uns gesagt, dass wir bitte bis 12 Uhr das Zimmer geräumt haben sollten, aber unser Auto könnten wir ruhig den ganzen Tag vor dem Haus stehen lassen. Bevor es nach Galway ging, wollten wir uns dann doch nochmal ein bisschen die Stadt bei Tageslicht angucken und den Milk Market besuchen. Dieser ist ein typisches Kennzeichen von Limerick und findet immer am Samstag statt. Er befindet sich in einer Halle und dort gibt es alles möglichen an Essen oder an Kunsthandwerk, an Klamotten und Getränken sowie an frischem Gemüse und Obst. Da es aber Ende des Jahres war, war die Anzahl der Stände relativ gering. Und wer hätte es gedacht, es gab Krakauer und deutsche Bratwurst, die Marcel natürlich sofort probieren musste. Es gab sogar deutschen Senf!

Nach dem Markt machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto. Wir wollten entlang der Strecke nach Galway noch einiges sehen. Als erstes stand das Bunratty Castle auf unserer Liste. Dies war eine Burganlage mit einem kleinen mittelalterlichen Dorf davor, in dem man sich verschiedene Häuser aus unterschiedlichen Zeiten angucken konnte. Wir hatten nicht so stark viel erwartet, aber die gesamte Anlage war der Hammer! Die Tour durch die Häuser und Kirchen zeigte schön, wie unterschiedliche irische Bauern gelebt hatte – je nachdem wie wohlhabend sie waren. Außerdem konnte man gut den Fortschritt erkennen, der über die Jahrhunderte hinweg gemacht wurde.

Die Burg war noch toller! Wir besichtigten so viele unterschiedliche Räume: die Küche, den Saal, das Gemach des Königs, Gästezimmer und Wohnräume der Bediensteten, die sich natürlich unterschieden zwischen Koch, Priester oder Knecht. Es gab sehr viele verwinkelte Gänge und kleine zusätzliche Zimmer. Man fühlte sich ein bisschen wie ein kleines Kind auf Entdeckungstour. Wir waren vollkommen begeistert.

Danach ging es weiter zu den Cliffs of Moher, die südlich von Galway liegen. Dort muss man auch Eintritt bezahlen, der aber nur bei 4€ pro Person liegt. Auch hier war es wieder sehr windig, ähnlich wie bei den Skellig Islands. Wir wappneten uns mit Mütze und Kapuze und stiegen die Klippen hinauf. Oben bei einem kleinen Leuchtturm konnte man sehr weit gucken und der Ausblick war klasse. Wir eine Schlangenlinie wanden sich die Klippen von uns weg und alle paar hundert Meter streckte sich eine Landzunge ins Meer. Man kam leider nicht so nah an die Abhänge heran, da es sehr gefährlich war bei diesem Wind, aber auch so waren die Cliffs of Moher schon sehr imposant. Wir wanderten etwas an ihnen entlang bis wir fanden, dass wir genug gelaufen waren und kehrten um.

Auf dem letzten Stück nach Galway gab es dann nichts mehr anzusehen und da wir auch ein Stück an Galway vorbei mussten, um zu unserem B&B zu kommen, fuhren wir durch. Unser B&B war in Spiddal und hieß Ard Eoinin Bed and Breakfast. Wir hatten in Galway nichts preiswertes mehr gefunden, da es ja Silvester war. Als wir dort ankamen begrüßte uns Kevin, der Besitzer, sehr nett und führte uns zu unserem Zimmer. Es war sehr groß und das Bad war wirklich schön. Wir bestellten ein Taxi für 7 Uhr vor und hatten somit eine Stunde, um uns fertig zu machen – für mich natürlich reiner Stress.

Als das Taxi kam stand aber nicht ein normales Auto vor uns, sondern ein Kleinbus. „Naja“, dachten wir „da werden bestimmt noch andere auf der Strecke abgeholt.“ Aber nein, wir waren die einzigen! Der Busfahrer war aber sehr freundlich und schrieb uns dann auch gleich auf, dass er uns um 1 Uhr wieder mitnehmen würde. Wir wollten nicht allzu spät zurück, da der Weg eine halbe Stunde dauerte und wir den nächsten Tag ja noch wandern gehen wollten.

In der Stadt wollten wir eigentlich im King’s Head essen, aber die hatten schon frühzeitig die Küche geschlossen. Deshalb gingen wir zu einem Inder und dort war es auch sehr schön. Das Essen war sehr lecker und die Kellner lustig und nett. Danach gingen wir in Garavan’s Bar. Das ist eine kleine gemütliche Whiskeybar, in der wir den Altersdurchschnitt stark nach unten trieben. Marcel bestellte natürlich einen Whiskey und ich hatte mittlerweile Guinness mit Blackcurrant-Sirup für mich entdeckt. Es gab auch Livemusik von einem jüngeren Mann mit Gitarre, der etwas amerikanisch klang und einem älteren Mann, der sowohl Saxophon als auch Mandoline spielte. Es klang sehr cool und individuell.

Gegen 23 Uhr gingen wir dann in King’s Head und wieder einmal wurden wir überrascht wie riesig so ein Pub/Club sein kann. Es gab drei Stockwerke und da unten alles voll war, gingen wir nach oben. Im dritten Stock stand gerade eine größere Gruppe auf und wir setzten uns hin, um etwas zu trinken. Es gab Gin-Tonic. Plötzlich kam die Gruppe wieder und setzte sich zu uns und sofort hatten wir Aufsehen erregt. Die kannten uns ja nicht, also waren wir recht interessant und sie fragten uns regelrecht aus. Auf einmal waren wir in der Gruppe aufgenommen! 🙂

Sehr witzig war, dass einer von ihnen gerade in Deutschland gewesen war und die besten Sprüche kannte: „Läuft bei dir!“ oder „Zur Mitte, zur Titte, zum Sack, zackzack!“. Es war sehr witzig mit ihnen und wir unterhielten uns sehr viel. Als dann einer, der sehr betrunken war, mir sein Getränk über das Bein kippte, bekamen wir auch noch ein Freigetränk. Er bestand wirklich darauf uns etwas auszugeben.

Um 1 Uhr ging es dann mit dem Taxi zurück zum B&B und das war auch gar nicht so schlimm, denn auch im King’s Head war es bereits leerer geworden. Dazu kam, dass wir wirklich genug getrunken hatten. Müde und glücklich gingen wir ins Bett und am nächsten Tag wartete dann schon eine Wanderung auf uns.

Gefahrene Kilometer: ca. 250km

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